Sonntag, 4. März 2018

Street Cup einfahren, Tag 4 - zurück nach Frankreich

Donnerstag, 24.08.2014, Dorbirn, Österreich 

Nach dem sehr guten Frühstück im Fairmotel**** belade ich die Street Cup. Die Sonne scheint. Besseres Motorradwetter kann es gar nicht geben. 

Ich werde die Schweizer mal ordentlich schädigen und ausgiebig Gebrauch von der teuren Vignette machen. Es ist ja auch ein erstklassiges Transitland. Bloß nicht zu schnell oder anhalten. In beiden Fällen droht Verarmung!! Nehmt das Eidgenossen!! Ich bin immer noch sauer wegen der 600 € für eine lächerliche und nun wirklich versehentliche Geschwindigkeitsüberschreitung vom letzten Jahr. 



Eine, wie ich finde, sehr gelungene Aktion für den Schutz der Kinder im Straßenverkehr 

Erstmal also auf die Piste und stoisch Kilometer reißen in Richtung Westen. Irgendwo im Großraum Basel biege ich ab von der überfüllten Autobahn. Ich gebe Besançon oder sowas ins Navi ein und fahre so drauf los. 



Quelle: Google Maps

Da passiere ich in einem nicht weiter sehenswerten Ort dieses Schild. 



Und dann zeigt die Schweiz mal wieder ihre ganze überwältigende Schönheit, die es gar nicht nötig hat nur aus Superlativen zu bestehen. 




Es ist ein leibliches, langezogenes Tal im Naturpark Thal, das jeden Meter auf dem Motorrad zum Höchstgenus macht. So gut wie kein Verkehr.  Auch Menschen sind nicht zu sehen. Wo sind all die vielen Hände, die so eine grandiose Kulturlandschaft nicht zu erschaffen haben, sondern auch Tag für Tag erhalten?



In Gänsbrunnen - was für ein Name! - taucht ein Bahnhof auf, der direkt von einer Märklin Modelleisenbahn zu stammen scheint. Ist das schön und friedlich hier. 



Pausen müssen sein. Da ich allein fahre, brauche ich mit niemandem abstimmen ob und wann ich anhalte, wie lange ich mir irgendwas ansehe usw.

Bevor ich die Französische Grenze erreiche führt mich die Route über ganz neue, leere Autobahnen mit unzähligen Tunneln, die modernsten Standards entsprechen und unglaublich teuer gewesen sein müssen. Ich frage mich, ob sich das für die paar People dort überhaupt rechnen kann. Das nennt sich wohl Förderung der Infrastruktur. 

In Frankreich angekommen fällt sofort die etwas kostengünstigere Machart der Straßen auf. Sie führen mich direkt ins Elsass, wo ich die Ballons des Vosges anfahren möchte und die Route des Cretes. 



Relativ unspektakulär, dieser Ballon hier




Mein Tagesziel ist ein Campingplatz an dem See bei Xonrupt-Longemer. Ganz einfach, mit großer Wiese und Campinggästen aus ganz Europa. 









Freitag, 23. Februar 2018

Street Cup einfahren, Tag 3 - drei Länder Tour

Mittwoch, 23.08.2017 - Galtür, Österreich 

Ich habe prächtig geschlafen. Was für ein Kontrast zur frischen und lauten Nacht gestern. Auch das Frühstück ist ordentlich. Aus Äpfeln und Möhren bereite ich mir mit der hierfür vorgesehenen Maschine eine wahre Vitaminbombe. Sogar an gesunde Ernährung denken Sie heute in den Alpengasthöfen. 

Die Stunde der Abrechnung naht. War das Frühstück eigentlich im Preis enthalten? Ich rechne dank des Menüs mit einem Betrag um die 125 € und bin sehr erstaunt, als lediglich 94 € aufgerufen werden. Das war alles inklusive, nur die Getränke gingen extra! Einwandfreie Leistung. Ich werde es mit einer guten Google Bewertung honorieren (negative Bewertungen behalte ich ohnehin für mich oder bringe sie gleich vor Ort persönlich an).

Mit Gepäck fahre ich etwas später per Fahrstuhl direkt in den Motorradkeller. 



Street Cup abflugbereit in Hotelgarage

Ups, das Gros der Maschinen ist längst ausgeflogen. Was soll‘s, bin im Urlaub und nicht auf der Flucht. 

Draußen vor dem Hotel halte ich noch einmal an, um eines dieser auf dem Asphalt der Garagenzufahrt aufgebrachten Label zu fotografieren. „Schönes Motorrad!! Gute Heimfahrt!!“ ruft mit plötzlich jemand zu. Es ist ein offenbar nicht bikender Gast auf der Hotelterrasse. Ich bedanke und freue mich. Der hält die Cup bestimmt für einen waschechten, topgepflegten Oldtimer. Auch mit der Heimfahrt liegt er etwas daneben. Es geht doch gerade erst los! Aber es ist ein strahlender Morgen und wir freuen uns beide. So etwas ist mir mit der Street Triple nie passiert. 

Aber wohn eigentlich. Sämtliche Motorradhotels rühmen sich ja ihrer tollen, idealen, zentralen Lage inmitten der tollsten Alpenstrecken. So auch dieses. Aber ganz so ist es nicht. Galtür ist eben nur über die Silvretta Hochalpenstraße „durch die Hintertür“ oder „von vorne“ über Landeck zu erreichen. Mehr ist nicht. Auf gleichem Weg zurück kommt nicht in Frage, also runter über Ischgl in Richtung Landeck. 

In Ischgl passiere ich einen riesigen Betonbunker auf dem „Parkhaus“ steht. Es scheint der Größe nach das Zentralparkhaus für die gesamten Alpen zu sein. Schön ist was anderes. Aber sicherlich ist es so sinnvoller, als im Winter das totale Verkehrschaos im Ort in Kauf zu nehmen. Die Alpen sind nun einmal ein riesiger Rummelplatz für Touristen geworden und es scheinen immer mehr zu werden. Ich selbst trage ja gerade mal wieder dazu bei.

Unten in Landeck biege ich ab nach Süden in Richtung Reschenpass. Die Route führt mich zunächst durch einen unglaublich langen Tunnel, der relativ neu zu sein scheint und kerzengerade durch den Berg verläuft. Faszinierend. Tunnel, vor allem mir völlig unbekannte, finde ich selbst in meinem gesetzten Alter von 51 Jahren noch spannend. Wie ich später lese, ist der knapp 7 km lange Tunnel vignettenpflichtig. Die kostenfreie Alternative zum Reschenpass ist schlicht nicht ausgeschildert. Füchse sind sie, die Österreicher. Gut, dass ich diesmal nicht zu geizig für die Vignette war. Das kann unversehens sehr sehr teuer werden. 

Die Reschenstraße empfängt mich in strahlendem Sonnenschein. An der geradezu mondänen Eni Tankstelle in Prutz genehmige ich mir erst einmal einen Kaffee mit Brötchen. Zwischenzeitlich habe mir Gedanken gemacht, wohin die Reise jetzt geht. 

Reschenpass, rechts rein nach Müstair (Schweiz), Ofenpass, dann links ab durch den mir noch bekannten, sehr schmalen und düsteren Tunnel nach Livigno (Italien), dort südlich raus zurück in die Schweiz und dann Richtung Westen. 

Die Strecke über den Reschenpass ist für Alpenverhältnisse schon etwas öde. Vor allem das Kolonnenfahren im starken Verkehr brauche ich nicht unbedingt. Am Reschenpass verzichte ich auch einen Stopp. Zuviel los. Lauter Reisebusse. 



Das ist sie wieder: die Schweiz!

Immer wieder schön, in die Schweiz einzureisen. Alles so sauber und adrett. Aber auch alles so teuer. Extrem teuer. Und alles so langsam. Die Tempo 80 halte ich akribisch ein. Jede Überschreitung kann hier in einem finanziellen Desaster enden, das dem Gegenwert von 2 Übernachtungen in einem Schweizer Luxushotel entspricht. Aber MIT Frühstück!

Das ist echt anstrengend. Dabei habe jetzt doch so ein gemütliches Motorrad. Aber die grandiose Landschaft entschädigt. 


Irgendwo dahin beginnt der Ofenpass 

Der Ofenpass kam mit führt viel steiler vor. Das kommt davon, wenn man zwischenzeitlich tolle Straßen in Frankreich befährt...

Durch einen mautpflichtigen Tunnel fahre ich wenig später nach Livigno, Italien. Der Tunnek führt bolzengerade durch den Berg und wirkt, wie seit den 60ern nicht mehr renoviert. Infernalisch ist die Geräuschkulisse! Der Schlag aus den zwei Endrohren der Street Cup hallt an Decke und Wänden wieder und wieder und potenziert sich zu einem solchen Lärm, wie ihn in einem Tunnel noch nie erlebt habe. Dabei fahre ich nur zwischen 60 und 80 km/h. Selbst vom Gas gehen nutzt nichts. Als ich es kaum noch aushalten kann, möchte ich gerne anhalten, damit die Schallwellen sich ein wenig beruhen. Aber hinter mir ist ein anderes Fahrzeug aufgerückt und das Ganze hier ist einspurig. Also weiter. 



Am Tunnelausgang befindet sich die Staumauer vom Livigno See samt Grenzstation 



Der Livigno See von Süden aus gesehen

In Livigno ist ein Höllenbetrieb. Autos wohin das Auge blickt. Wo wollen die alle hin? Shoppen im Bergdorf? Das scheint an dem Status der zollfreien Zone zu liegen. Nach Durchquerung des Ortes fahre ich südwärts wieder in die Schweiz, dann rechts abbiegen und schön finde ich mich auf dem Berninapass wieder. 



Schweizer Vieh

Nächste Etappe St. Moritz. Da soll es doch so toll sein. Kurz vor dem Ortseingang beschließe ich, lieber nach rechts in Richtung Norden abzubiegen. Das weitgezogene Tal in dem St. Moritz liegt erscheint mir, ebenso wie die Bebauung, nicht wirklich anziehend zu sein. Mir gefällt es einfach nicht. Zudem ist der Tag mittlerweile fortgeschritten. 

Ich sollte mir ein günstigeres Pflaster zu übernachten suchen. Schweizer Franken habe ich auch nicht mit und das in der EU kostengünstige Roaming gilt hier nicht. Am Straßenrand buche ich schnell einen Daypass. Prima. Noch ehe ich überhaupt auch nur Booking.com öffnen kann, ist das Datenvolumen aufgebraucht. Hmmm. Ich bin kein Star, will aber trotzdem hier raus!!

Der nächstgelegene größere Ort im Ausland (der Schweiz) ist Bregenz. Da will ich hin. Euro, Datenroaming und bezahlbare Übernachtungsmöglichkeiten locken. Puuhh, nochmal ca. 180 km...

Nach Flüela Pass, Rechtsabbiegen bei Davos und einigen Autobahnkilometern rolle ich in Dornbirn, Österreich, ein. Der Campingplatz liegt im Grünen am Ortsrand und macht einen sehr guten Eindruck. Nach der anstrengenden Fährt hadere ich mit dem Zeltaufbau und buche via App ein rel. preiswertes Zimmer im Fairmotel Dornbirn. 

Einwandfrei das Hotel! Topmodern. Man kann sich wirklich wohlfühlen. 



Das Fairmotel am nächsten Morgen

Mal schauen, wohin ich weiterfahre. Irgendwie zieht es mich nach Westen in Richtung meines Lieblingslandes: Frankreich. 









Dienstag, 5. September 2017

Street Cup einfahren, Tag 2 - rüber nach Galtür

Dienstag, 22.08.2017, Lauterbourg 


Nach dem (Instant-) Kaffee ist vor dem Kaffee. Das Zelt soll noch ein wenig trocknen. Also gleich rüber in die Kneipe und einen Cappuccino bestellt. So komme ich auch gleich an einen adäquaten Sitzplatz mit Logenblick auf mein Zelt. 

Wohin jetzt? Es wird sehr warm. Wie geplant, in Richtung Grenoble um endlich die Grand Alpes zu vollenden? Das ist so weit. Auf Zeltplätze habe ich grad gar keine Lust mehr. Ich will ins Hotel. Und in die Berge. Richtige Berge. Dann werde ich doch einfach mal ein Motorradhotel testen. Also ab nach Galtür, Österreich.  Da gibt es eines, über das ich gelesen hatte. Ich buche es mit der Booking.com App. 86 Euro. Klingt sehr fair für 4 Sterne. 


Auf der K7786 bei Überlingen erblicke ich den Bodensee. 

Am Bodensee steppt der Bär. Viel Verkehr. Und baustellenbedingte Umleitungen. Das nervt. In Österreich erwerbe ich gleich an der Grenze ein Pickerl. Auf eine Anzeige wegen "Mautprellerei", weil man versehentlich mal 350 m Autobahn benutzt, habe ich gar keine Lust. Heute muss ich auch noch ein paar Kilometer schaffen. 


Auf der Silvretta Hochalpenstraße


Herrlich hier oben. Das muss der Kuhhimmel sein. 



Bielerhöhe und Silvretta Stausee


Von der Bielerhöhe rolle ich hinunter nach Galtür. Statt Selbstverpflegung und Zeltaufbau wartet heute das Hotel mit Restaurant und warmem Bett auf mich. 


Das Hotel Post in Galtür erwartet mich mit unmissverständlichen Wegweisern, die mich direkt in die Tiefgarage führen. Cool, gefällt mir. 


Gar nicht mal so klein, der Schuppen. Um so ein Hotel halbwegs zu bevölkern, muss sich so ein Hotelier immer etwas Neues einfallen lassen, vermute ich stark. 



In der Tiefgarage stehen bereits ca. 12 Motorräder. Jetzt auch meines. Also abgepackt, direkt zum Lift und schwupp, stehe ich an der Rezeption. Unter Glas und mit Beleuchtung wird mir dort sogleich die Menükarte präsentiert. Die Dame fragt ab, welche Variante ich gerne hätte. Da mein Magen hängt, frage ich nicht nach dem Preis und gebe meine Wünsche kund. 

Nachdem ich mich im Zimmer eingerichtet habe, schlendere ich zu Restaurant. Modernes Ambiente, große Fenster, der Bach rauscht. Der Kellner ist äußerst beflissen. Vielleicht zu beflissen. Nach jedem der 5 Gänge fragt er, ob es geschmeckt hat. Aber ja doch! Ich melde mich schon, wenn was nicht passt. 

Das ist kein Gourmettempel hier, aber es ist wirklich sehr ordentlich. Was Sie mir dafür wohl abnehmen werden? Da standen gar keine Preise auf der Karte...

Ein kleiner Spaziergang führt mich anschließend durchs Dorf und zum "Hotel Alpenrose". Es hat geschlossen und offenkundig seine besten Zeiten lange hinter sich. Hier verbrachte ich mit meiner Mutter und meiner Schwester 1972 den ersten Skiurlaub meines Lebens. Was für eine lange Zeit ist das her. Gut, das ich hier bin, mal wieder Alpenluft schnuppere und meine Zeit auch für diese Reise nutze. 

Ziemlich erledigt genieße ich das schöne Zimmer und perfekte Bett im Hotel. Hier werde ich jetzt schlafen, wie ein König. Mal schauen, was der nächste Tag bringt. Ich habe noch keine Ahnung wohin er mich führen wird. 

Sonntag, 3. September 2017

Street Cup einfahren, Tag 1 - ab nach Frankreich

Montag, 21.08.2017

Eigentlich ist sie schon eingefahren, die neue Triumph Street Cup. Die 800 km Inspektion ist gerade erledigt. Aber erst jetzt ist das Einfahröl raus aus dem Motor und die Maschine damit tourentauglich. 


Die nächste Inspektion ist erst bei 16.000 km bzw. in einem Jahr fällig. Nicht schlecht. Auch der Verbrauch kann sich sehen lassen für eine 900er: 3,5 - 4,0 Liter/100 km. Das liegt an den entschleunigten Drehzahlen.  3000 U/min entsprechen im 5. Gang (ja, hier reichen 5!) knapp 100 km/h. Das ist unglaublich beruhigend und entspannend. 

Nun aber aufgepackt und los auf Tour.


Ja, ich weiß. Andere bestellen sich ein "Tidy Heck" und hier hängen Gepäckträger und das alte Topcase. Aber auf Tour gehe ich nicht mit 'nem Rucksack. Da geht bei mir Funktion vor Optik. 

Eigentlich wollte ich wieder mit einem Mietanhänger los. Aber die Cup ist 30 kg schwerer als die Street Triple und das merkt man beim Aufladen. Im Ergebnis war es mir zu heikel, so dass ich nun wild entschlossen die "Ochsentour" über die Autobahnen gen Süden auf mich nehme. Oder besser gesagt gen Südwesten. Denn da liegt Frankreich. 

Mein erstes Ziel ist der nächst erreichbare Camping Municipal. Den meine ich hier zu finden:


Als ich dort ankomme, bemerke ich, dass der so richtig municipal gar nicht ist. Inzwischen privatisiert? Anstatt simpler Grünfläche mit ein paar Hecken, stellt sich mir zunächst ein Schlagbaum in den Weg. Gleich neben der Kneipe ist die Rezeption. Hmm, das ist mir eigentlich zu viel Rummel. Aber es sieht so schlecht auch nicht aus, also bleibe ich. 

Als es dunkel wird, läuft die Party vier deutscher Jugendlicher im Nachbarzelt zur Hochform auf. Sie endet gegen 3 Uhr morgens im gröhlenden Vollsuff. Damit auch ganz bestimmt nicht an Schlaf zu denken ist, brennt die Straßenlaterne des Platzes - LED Technik sei Dank - seit ca. 22:00 mit Fernlichtstärke in mein Zelt. Hurra, hier machen sie wirklich die Nacht zum Tag. 


Am nächsten Morgen. 

Jetzt schlafen die Partypeople. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen wird mir vor der Abfahrt auch noch meine Powerbank nebst Ladegerät beim Guerillia Charging im WC geklaut. Ist es Zufall, dass gerade einer der Partybrüder dort hingewankt war?

Egal, jetzt koche ich mir erstmal vor dem Zelt einen Kaffee, damit Tag 2 beginnen kann...


Sonntag, 13. August 2017

Alès Cevennen, Tag 4

Donnerstag, 13.04.2017

Mont Lozere! 


Sommet de Finiels (Quelle: arte)


Quelle: arte

So sah das bei arte im Fernsehbericht aus. Irre Landschaft. Aber ich traue keinen Fotos, die ich nicht selbst nachbearbeitet habe.. also fahre ich doch mal hin und schaue nach. 


Das richtige Department habe ich schon einmal erreicht.


Wieder einmal nutze ich den "Adventure Route"-Modus des Navis und das ist das Ergebnis. 


Es ist die auf dem Kamm verlaufende D 35, die immer wieder sagenhafte Ausblicke nach links und rechts ermöglicht. 

Meine Güte, was für eine Strecke! Kein Verkehr, griffiger Asphalt, strahlende Sonne und klar, warme Luft. Mehr geht nicht auf dem Motorrad. 


Mit jedem Höhenmeter, der dazukommt dreht sich die Jahreszeitenuhr ein wenig zurück. Im Tal war schon alles grün. 


Le Pont-de-Montvert

Hier biege ich rechts ab zum Col de Finiels. Von dort, so meine Hoffnung, kann ich vielleicht den Sommet de Finiels erblicken. 


Der Weg zum Col ist mit Steinen gesäumt. 



Die Passhöhe ist nicht spektakulär, aber doch einzigartig. Leider kann man die Kalkablagerungen von hier aus nicht sehen. 

So überlege ich, auf den Hügel zu linken zu steigen. Ein Plan, den ich schnell verwerfe. Denn als ich den Helm abnehme, realisiere ich den eiskalten Wind in Sturmstärke. Ohne vernünftige Kopfbedeckung..? Aussichtslos. Dann mit Helm? Nee, das sieht ja aus, als wäre ich ein verirrtes Alien. Hier ist zwar niemand, aber ich mach' mich doch nicht zum Horst!

Also kein Blick zum oder gar Marsch auf den Sommet de Finiels. Ich werde wohl dereinst mit dem Eriba Touring und einer warmen Mütze wiederkommen müssen. Auch gut. 

Ich verlasse den Col de Finiels in Richtung Norden, um dann der D 901 gen Osten zu folgen. 


Das ist doch mal eine Tankstelle, die gut in die Gegend passt.


Im Rücken der Carrefour Express, dem ich selbstverständlich eine ausführliche Besichtigung zuteil werden lasse. Zu meinen Lieblingsbeschäftigungen im Ausland gehört das intensive Studium des lokalen Warenangebotes. 


So manch' nette Laube findet sich später am Straßenrand. 

https://fr.m.wikipedia.org/wiki/Château_du_Champ


Pied-de-Borne


Blick von der D 113 bei Malarce-sur-La-Thines

Ich weiß nicht warum, aber die hellen Kalkfelsen in Südfrankreich führen bei mir immer wieder zu Glücksgefühlen, ganz besonders in Verbindung mit diesem tiefen blauen Himmel, den es nur dort genau so gibt. 

Mittlerweile kurvenmüde erreiche ich das B&B Hotel in Alès und blicke auf eine wirklich tolle Tour zurück. 

Den späten Nachmittag nutze ich zur Vorbereitung der Rückreise und lade das Motorrad auf den Hänger. Ich bin froh, diese immense Strecke im Auto zurücklegen zu können. In jedem Fall hat der Weg sich gelohnt.

Kommentare sind sehr willkommen! Sonst glaube ich nicht, dass doch jemand mitliest.


Sonntag, 14. Mai 2017

Alès Cevennen, Tag 3


Mittwoch, 12.04.2017

Die Cevennen beginnen direkt hinter dem Hotel

Ein erster Blick aus dem Hotelfenster: Traumwetter. Morgens ist es noch recht frisch, so um die 7 Grad. Aber es soll im Laufe des Tages so an die 20 Grad warm werden. Glänzende Aussichten!

Nach dem Frühstück schnell das Motorrad fertig gemacht und los. Zunächst möchte ich zur Corniche de Cevennes. Diese landschaftlich extrem reizvolle Straße ist in Teilen so eine Art Kammstraße, die ausgezeichnete Fernblicke über die Cevennen bietet. 

Aber um dorthin zu gelangen, möchte ich Nebenstrecken nutzen. Jetzt schlägt die Stunde meines Garmin Navi mit der Routenpräferenz "Garmin Adventure Routing".


Das sind meine Einstellungen. 

Um es vorweg zu nehmen: Ich bin schwer begeistert! Durch dieses Routing gelange ich auf Straßen, die ich sonst im Leben nicht gefunden hätte. Sagenhafte Kurven, irre Ausblicke und Verkehr nahe null. Sagenhaft. Dafür hat es früher der wochenlangen Vorarbeit mind. zweier Angestellter des Motorrad Action Teams gebraucht. Heute macht das die EDV im Navi per Knopfdruck mal eben so am Straßenrand. 


Und wenn es dann doch zu lang werden sollte mit der Adventurestrecke: einfach auf schnellste Verbindung wechseln.


Den Aussichtspunkt an der Corniche habe ich ganz für mich allein


Ich habe über 12 Dächer gezählt


Gut, dass ich nicht nur die Straße im Auge habe


Ein Etappenziel heute ist die Hochebene hinter Florac. Es ist die Causse Mejean. Dieses Gegend faszinierte mich seit sie erstmals auf einer Michelin Karte erspähte und mich fragte, warum da plötzlich nichts ist. Kaum Straßen, kaum Besiedelung usw. 

Hinter Florac schraubt sich die Straße hoch. Oben angekommen finde ich ich in einer ganz anderen Welt wieder. Karg und merklich kühler. Es ist ein herrlicher Tag!


Hochebene Causse Mejean westlich von Florac


Einsames Ferienhaus inmitten im Nichts der Causse: einerseits faszinierend, andererseits: was macht man da den ganzen Tag?

Unten in Florac war der Flugplatz in meiner Fahrtrichtung ausgeschildert. Ich fahre und fahre und frage mich, wann der endlich kommt... irgendwann nach ca. 18 km dann...


Florac International Airport

Am Flugplatz biege ich links ab. Das war nicht geplant. Manchmal entscheide ich einfach an irgendeiner Kreuzung, in welcher Richtung mir der Weg reizvoller erscheint. Das ist eine Freiheit des Reisens, die in einer Gruppe oder auch zu zweit kaum möglich ist. 

Aber es passt auch ganz gut mit dem Abzweig. Der führt mich Richtung Süden zum zweiten Etappenziel des Tages, dem Mont Aiguille (2.087 m). 

Die Straßen sind weiterhin leer. Kaum einmal kommt mir ein anderes Fahrzeug entgegen. Angenehmer kann Motorradfahren nicht sein. 


Abfahrt von der Causse Mejean


An Schneefeldern vorbei zum Mont Aiguille


Auch hier oben ist nicht viel Betrieb


Da hinten müsste das Mittelmeer sein

Die Rundumsicht vom Mont Aiguille ist atemberaubend schön. Eintritt wird ebensowenig erhoben, wie Parkgebühren. Die Gastronomie ist geschlossen. Gruppen junger Leute picknicken auf dem gepflegten Gelände. Eine heitere ruhige Stimmung ist das hier oben vor dem großen Touristenansturm im Sommer. 

Nachdem ich die tolle Atmosphäre hier oben bei diesem phantastischen Wetter ausgiebig in mich aufgesogen habe, freue ich mich auf die vielen Kurven in Richtung Hotel. 

Das feste Basishotel nimmt der Ausfahrt ein wenig den abenteuerlichen Charakter. Aber es ist auch einfach entspannend, sich einmal nicht darum kümmern zu müssen, wo und wie man übernachtet. Einfach Navi programmieren, die Fahrt genießen und wissen, dass ein sauberes Zimmer mit allem Komfort im Hotel wartet. Gefällt mir auch gut. 


Auf dem Weg nach Alès geht es wieder durch malerische Orte

Für den nächsten Tag habe ich auch schon einen Plan: Lozere.

Werde ich dort die berühmten Kalkablagerungen zu sehen bekommen, die ich jüngst in einer Dokumentation auf ARTE bewundern konnte?